Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin, liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Debatte könnte zeitlich kaum passender sein. Gerade in dieser Woche findet in
Schleswig-Holstein die Woche der pflegenden Angehörigen statt. Sie rückt diejenigen
in den Mittelpunkt, ohne die unsere pflegerische Versorgung nicht funktionieren
würde.
Über 200.000 An- und Zugehörige, Freundinnen, Freunde und Bekannte pflegen,
unterstützen, organisieren und begleiten in Schleswig-Holstein einen
pflegebedürftigen Menschen. Viele tun dies neben Beruf und Familie und häufig über
Jahre hinweg. Diese Leistung verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung.
Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen: Anerkennung allein reicht nicht. Wer Pflege
übernimmt, braucht verlässliche Unterstützung im Alltag. Für uns ist deshalb seit
langem klar: Pflege und Beruf müssen besser miteinander vereinbar sein. Dafür
müssen wir aber nicht erst eine neue Untersuchung auf den Weg bringen und
anschließend eine weitere Strategie entwickeln oder Berichte erstellen lassen.
Entscheidend ist, bestehende Maßnahmen konsequent umzusetzen, bedarfsgerecht
weiterzuentwickeln und vorhandene Daten und Erkenntnisse besser zu nutzen. Mit
dem Maßnahmenpaket zur Sicherstellung der pflegerischen Versorgung in Schleswig-
Holstein haben die Akteurinnen und Akteure im Landespflegeausschuss wichtige
Schritte vereinbart.
Dazu gehören die betrieblichen Pflege-Guides, die Beschäftigten Orientierung geben,
wenn Pflegeverantwortung übernommen werden muss. Zum Auftakt der
Aktionswoche standen sie bei NAH.SH im Mittelpunkt. Dieses Angebot wollen wir
weiterentwickeln und dabei insbesondere kleine und mittlere Unternehmen stärker in
den Blick nehmen. Ebenso wichtig sind gut vernetzte Beratungs- und
Unterstützungsangebote sowie verlässliche Entlastungsmöglichkeiten. Denn Pflege
und Beruf lassen sich nur dann miteinander vereinbaren, wenn Pflegeverantwortung
auch einmal verlässlich abgegeben werden kann. Auch ehrenamtliches Engagement
kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Es ergänzt professionelle Angebote und
kann pflegende An- und Zugehörige im Alltag zusätzlich unterstützen. Fast 70 Prozent
der Pflegenden sind im erwerbsfähigen Alter.
Für viele bedeutet das einen täglichen Spagat: Sie wollen für einen geliebten
Menschen da sein und zugleich ihren Beruf weiter ausüben. Beides darf kein
Widerspruch sein.
Auch auf Bundesebene werden wichtige Weichen gestellt. Pflegezeit und
Familienpflegezeit müssen praxistauglicher weiterentwickelt werden. Zugleich soll das
Pflegeneuordnungsgesetz Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen unter
anderem durch eine neue Pflegebegleitung, flexibler nutzbare Leistungen und eine
bessere Absicherung in akuten Pflegenotfällen entlasten.
Bundesgesundheitsminister Linnemann will noch im September einen
Kabinettsbeschluss erreichen. Ich begrüße ausdrücklich, dass er zugleich
angekündigt hat, die vorgesehene Absenkung der Rentenbeiträge für pflegende
Angehörige korrigieren zu wollen. Entscheidend ist, dass dies nun auch umgesetzt
wird. Pflegeverantwortung darf nicht zur Armutsfalle im Alter werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, am Ende geht es um die Menschen: Eine Tochter,
die nach der Arbeit noch zur Mutter fährt. Ein Ehemann, der seine Frau zu Hause
versorgt. Ein Sohn, der versucht, Pflege, Beruf und die eigene Familie miteinander zu
vereinbaren. Sie alle übernehmen Tag für Tag Verantwortung. Und sie brauchen
verlässliche Unterstützung im Alltag.
Dafür steht unser Alternativantrag. Vielen Dank!

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