Pflegeinfrastruktur und häusliche Pflege gleichermaßen stärken

19.06.2026

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Sicherstellung einer verlässlichen und bedarfsgerechten Pflegeversorgung gehört
zu den zentralen sozialpolitischen Aufgaben, vor denen wir stehen.

Denn es geht um pflegebedürftige Menschen, ihre An- und Zugehörigen, sowie die
Pflegekräfte.

Ihnen allen wollen wir Verlässlichkeit, Unterstützung und Wertschätzung bieten.
Genau deshalb ist es richtig, dass wir heute sowohl über die Pflegeinfrastruktur als
auch über die Situation pflegender An- und Zugehöriger sprechen. Denn gute Pflege
braucht beides: eine leistungsfähige Infrastruktur und Menschen, die bereit sind,
Verantwortung zu übernehmen.

Der demografische Wandel schreitet voran. Der Pflegebedarf steigt. Und gleichzeitig
stehen wir vor erheblichen Fachkräfteengpässen.

Schleswig-Holstein handelt bereits. Während andernorts noch über Konzepte
diskutiert wird, haben wir mit dem ersten Maßnahmenpaket, den Projekten ,,Pflege-
Prognose+" und ,,Pflege-Monitor+" sowie gezielten Investitionen in die
Versorgungsstrukturen bereits konkrete Verbesserungen auf den Weg gebracht.
Denn eines ist klar: Gute Pflege entsteht nicht zufällig. Sie ist das Ergebnis kluger
Planung, verlässlicher Rahmenbedingungen und einer Politik, die Herausforderungen
frühzeitig erkennt.

Der Unterschied in den Anträgen liegt deshalb nicht in der Problembeschreibung,
sondern in der Konsequenz.
Wir wollen nicht immer neue Einzelmaßnahmen nebeneinanderstellen. Wir wollen die
Pflegeinfrastruktur insgesamt bedarfsgerecht, transparent und langfristig tragfähig
weiterentwickeln.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Situation
pflegender An- und Zugehöriger. Denn der größte Teil der Pflege findet nicht in   Einrichtungen statt.

Er findet zu Hause statt. An- und Zugehörige leisten dabei einen unverzichtbaren Beitrag für unser Pflegesystem

Sie organisieren Pflege, begleiten Arztbesuche, koordinieren Hilfen und stellen ihre
eigenen Bedürfnisse oft hinten an. Ohne diesen Einsatz würde unser Pflegesystem
schon heute nicht funktionieren.

Wer Pflege leistet, braucht Anerkennung, Unterstützung und verlässliche
Rahmenbedingungen. Genau deshalb haben CDU und Bündnis 90/Die Grünen einen
eigenen Alternativantrag vorgelegt.

Wir wollen die Beratungs-, Unterstützungs- und Vernetzungsangebote weiter stärken.
Wir wollen bestehende Unterstützungsangebote bekannter machen ­ von den
Pflegestützpunkten bis hin zu den Angeboten der Kurzzeit-, Verhinderungs- und
Entlastungspflege. Wir wollen die Potenziale digitaler Anwendungen stärker nutzen.

Wer beispielsweise nach einer Demenz- oder Alzheimerdiagnose plötzlich Pflege
organisieren muss, steht oft vor einem Berg von Anträgen, Zuständigkeiten und
offenen Fragen. Gerade in solchen Situationen ist jede Unterstützung wertvoll.
Deshalb unterstützen wir die Einführung einer Pflegebegleitung, damit Menschen
leichter Zugang zu den Leistungen erhalten, die ihnen zustehen, und bürokratische
Hürden abgebaut werden.

Gleichzeitig setzen wir uns für eine nachhaltige Finanzierung der Pflegeversicherung
ein. Angesichts des demographischen Wandels und der steigenden Zahl
pflegebedürftiger Menschen ist klar: Ohne tiefgreifende Reformen werden wir die
Pflegeversicherung nicht erhalten können.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, beide Debatten führen letztlich zu derselben Frage:
Wie stellen wir sicher, dass Menschen in Schleswig-Holstein auch in Zukunft auf gute
Pflege vertrauen können?

Gute Pflege braucht starke Versorgungsstrukturen, eine nachhaltige Finanzierung und
die Unterstützung der Menschen, die täglich Verantwortung übernehmen. Genau
daran arbeiten wir mit unseren Alternativanträgen. Sie stärken die Pflegeinfrastruktur
und die häusliche Pflege gleichermaßen. Dafür bitte ich um Ihre Zustimmung.

Herzlichen Dank.